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Michael Scheidel, Geschäftsführer Privatinstituts für Transparenz im Gesundheitswesen (IFTRA). FORSCHUNG

Auch im Alter selbstständig bleiben

Es gibt so viel mehr als das klassische Pflegeheim. Michael Scheidel vom Deutschen Seniorenportal über die verschiedenen Wohnformen für Senioren.

Wird es in Zukunft noch Altersheime geben?

Da Senioren einen stetig anwachsenden Teil der Gesellschaft ausmachen, wird das klassische Altersheim weiterhin gefragt bleiben. Vorstellbar wäre, dass alternative Wohnkonzepte für Senioren an Beliebtheit gewinnen.

Immer mehr Rentner gehen ins Ausland, vor allem in die USA und die Schweiz. Wird dieser Anteil steigen?
Ein enormer Anstieg ist nicht zu erwarten. Viele zieht es wegen des Klimas oder der schönen Umgebung ins Ausland. In der Schweiz müssen Rentner zudem nur einen geringen Steuersatz zahlen. Die Lebenshaltungskosten sind jedoch vergleichsweise hoch. Langfristiges Auswandern ist demnach nur mit einer hohen Rente oder Vermögen denkbar. In Nicht-EU-Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten sieht es anders aus, allerdings variieren die dortigen Lebensbedingungen für Senioren stark.

Ist es dennoch eine ratsame Lösung mit einer kleinen Rente in ein Land mit geringen Lebenshaltungskosten zu gehen?
In jedem Fall sollte man sich im Voraus eingehend über die anfallenden Kosten informieren. Es empfiehlt sich, einen Experten zu konsultieren. Gerade im Bereich Gültigkeit der deutschen Steuer im Ausland gibt es viele Auflagen. Finanzielle Bezüge aus Deutschland, wie die Rente, werden zum Beispiel trotz neuen Wohnsitzes nach dem deutschen Einkommenssteuergesetz behandelt. Gegebenenfalls anfallende Überweisungskosten müssen selbst getragen werden. Auch über Reisekosten für Familienbesuche sollte nachgedacht werden.

Was halten Sie von Projekten wie dem Alzheimer-Dorf De Hogeweyk bei Amsterdam?
Für Demenzkranke sind solche Projekte eine Bereicherung. Trotz der krankheitsbedingten Einschränkung wird ihnen ein selbstständiges Leben ermöglicht. Das Dorf ist darauf ausgelegt, dass Patienten sich wohlfühlen und ihren Alltag möglichst frei gestalten können. Deswegen gibt es neben speziellen Wohnräumen ein vielfältiges Freizeitangebot. Zudem werden die Angehörigen entlastet, da die Patienten von qualifiziertem Pflegepersonal betreut werden.

Was verbirgt sich hinter solchen Quartierskonzepten?
Wie in De Hogeweyk geht es um die seniorenfreundliche Gestaltung eines ganzen Viertels mit altersgerechten Wohnungen, Freizeitaktivitäten im sozialen Umfeld und der pflegerischen Unterstützung.

Mehr Austausch gibt es wahrscheinlich im Mehrgenerationenhaus?
Mehrgenerationenhäuser als Wohnräume oder offene Treffpunkte fördern aktiv die Interaktion zwischen jüngeren und älteren Menschen. Die gegenseitige Unterstützung und der Erfahrungsaustausch stellen eine Bereicherung für jeden Beteiligten dar. Hier haben Menschen – unabhängig vom Alter oder der Nationalität – die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Diese offene, ungezwungene Situation erleichtert es den Menschen, Teil des sozialen Umfelds zu werden.

Was sind die Vorteile von betreutem Wohnen?
Durch betreutes Wohnen soll die Unterbringung körperlich oder psychisch eingeschränkter Menschen in Altersheimen vermieden werden. Das ist im Rahmen der eigenen Wohnung mit Unterstützung des ambulanten Pflegedienstes, sowie in teilstationärer Betreuung – Tages- und Nachtpflege – oder in Seniorenwohnungen möglich.

Und wenn all diese Wohnformen nicht passen?
Es gibt noch alternative Wohnkonzepte wie die Senioren-WG. Vor allem für relativ selbstständige Senioren eignet sich das Leben in der Gemeinschaft mit der Unterstützung durch den ambulanten Pflegedienst. Auf dem Deutschen Seniorenportal haben wir noch mehr Informationen zu den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Wohnformen gesammelt.

Fakten

Fakten

Michael Scheidel ist Geschäftsführer des 2010 gegründeten Privatinstituts für Transparenz im Gesundheitswesen (IFTRA). Mit deutsches-seniorenportal.de bietet das Institut eine informative Schnittstelle zwischen Anbietern im Gesundheitsmarkt, forschenden Einrichtungen sowie Verbänden, Senioren und Angehörigen im Internet an.

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Journalist

Angela Ölscher

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