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Jeder Zweite Deutsche lässt gelegentlich Türen und Fenster offen stehen, wenn er das Haus verlässt. FORSCHUNG

Gehöriger Bewusstseinswandel notwendig

In Deutschland steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche. Doch schon beim Planen und Bauen vernachlässigen viele Hausbesitzer den Schutz.

„Viele Menschen sind viel zu nachlässig, wenn es um den Schutz vor Einbrüchen geht.“

An ein Thema denken viele Bauherren überhaupt nicht, wenn sie sich ein neues Haus errichten lassen: an die Sicherheit vor Einbrechern. „In Deutschland ist ein gehöriger Bewusstseinswandel bei den Bauherren und Planern notwendig, viele Menschen sind viel zu nachlässig, wenn es um den Schutz vor Einbrüchen geht“, sagt Harald Schmidt. Er weiß, wovon er spricht, denn Schmidt ist Kriminaloberrat und arbeitet für die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart.

Überhaupt gehen die Deutschen mit dem Thema Sicherheit recht lässig um. Jeder Zweite lässt gelegentlich Türen und Fenster offenstehen, wenn er das Haus verlässt, 37 Prozent schließen die Haustür nicht konsequent ab, zwölf Prozent schließen sogar nie ab. Das ergab im Jahr 2013 eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Toluna im Auftrag der AchenMünchner Versicherung. Dieses legere Verhalten ist erstaunlich, angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche 2015 um fast zehn Prozent auf gut 167.000 gestiegen ist.

Doch die Nachlässigkeit beginnt oftmals schon beim Bauen. „Man sollte sich nicht nur Gedanken über die Einbauküche, sondern auch über die Sicherheit für die Familie machen“, so Schmidt. So sollten zum Beispiel bei einem Neubau von Anfang an geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Türen und Fenster nach DIN 162ff eingebaut werden. Das mag zwar etwas teurer sein – aber in der Regel ist es noch kostenintensiver, wenn später aufwändig nachgerüstet werden muss. Die Polizei hat für Bauherren und Käufer ein Sicherheitspaket zusammengestellt mit Tipps für mehr Sicherheit.

Auch beim Bau von Gewerbeimmobilien hinke das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines guten Einbruchschutzes oftmals hinter den Anforderungen her. „Erfahrungsgemäß erreicht man durch ein abgestimmtes Zusammenwirken von mechanischer und elektronischer Sicherungstechnik, richtigem Verhalten und personellen und organisatorischen Maßnahmen einen guten Einbruchschutz“, sagt Schmidt. Wenn aus Kosten- oder anderen Gründen nicht der gesamte Komplex gut abgesichert werden kann, sollte man zumindest gezielt einen Sicherheitsbereich bilden. Einfriedungen wie Mauern oder Zäune haben gleich eine mehrfache Barrierewirkung: sie hindern den Einbrecher möglicherweise vor dem Betreten des Grundstücks, erhöhen sein Risiko entdeckt zu werden und bilden eine klare juristische Grenze, die besagt: Bis hierhin und nicht weiter.

Schließlich sollten natürlich auch Bauherren gewerblicher Gebäude auf gut gesicherte Fenster, Türen und Tore achten. Licht wirkt auf Einbrecher abschreckend. Auch für Gewerbetreibende bietet die Polizei eine Broschüre an: „Schlechte Geschäfte für Einbrecher“ (http://www.polizei-beratung.de/medienangebot/details/form/7/38.html).

„Mit absoluter Sicherheit sparen Bauherren an der falschen Stelle, wenn sie an der Sicherheit sparen“, so Harald Schmidt. Das sei eine Milchmädchenrechnung, denn zum einen sei die Nachrüstung deutlich teurer. „Zum anderen sollte man nicht warten, bis man aus Schaden klug wurde und erst nach einem Einbruch nachrüsten.“

Fakten

Fakten

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Einbrüche in Deutschland um zehn Prozent gestiegen. Doch viele Bauherren vernachlässigen trotzdem beim Planen und Bauen ihres Hauses den Sicherheitsaspekt. Doch wer an der Sicherheit spart, spart an der falschen Stelle.

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Journalist

Armin Fuhrer

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