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Frank Thelen, Unternehmer, Investor und Startup Gründer, hat mit der App mytaxi das mobile Bezahlen im Taxi-Sektor erfolgreich eingeführt. FORSCHUNG

Mobile Payment sucht Global Player

Das Mobile Payment steht am Scheideweg: Geht es „klein-klein“ weiter oder gelingt der Durchbruch an breiter Front? Unternehmer Frank Thelen im Interview.

„Mobiles Bezahlen ist sicherer als alles, was wir jetzt haben!“

Ist Bares noch Wahres? Werden wir in zehn Jahren noch EC- und Kreditkarten zücken, wenn Rechnungen an Kassen zu begleichen sind? Geht es nach den Vorreitern des mobilen Bezahlwesens, dann gehören Münzen, Scheine und Plastikarten schon bald der Vergangenheit an. NFC (Near Field Communication)-basierte und kontaktlose Zahlungen sind auf dem Vormarsch. Wir sprachen mit dem Unternehmer und Investor Frank Thelen über die Zukunft des Mobile Payments und die damit verbundenen Sicherheitsaspekte.

Glauben Sie, dass Mobile Payment schon bald alltäglich sein wird?

Frank Thelen: Ich glaube, dass Mobile Payment nur von den großen Playern wie beispielsweise Apple oder Samsung durchgesetzt werden kann. Wir haben es in diesem Bereich ein wenig mit dem „Henne oder Ei“-Problem zu tun. Die Kernfrage ist: Wer kann die notwendige Masse der Konsumenten mit auf den Kurs nehmen? Und wer hat gleichzeitig die Macht, bei den Akzeptanzstellen die Geräte zu installieren? Selbst ein Unternehmen wie eine Deutsche Telekom hat sich damit bislang sehr schwer getan. Ich glaube, die Innovation wird von Apple führend kommen und in der Folge von Samsung und anderen Android-Playern nachgezogen werden.

Sie plädieren also für ein oder zwei große statt vieler kleiner Anbieter?

Thelen: Wir brauchen wenige, aber starke Systeme. Wir können nicht fünf, sechs oder sieben Systeme einführen. Dann setzen sie sich nicht durch. Die vielen kleinen Versuche, die es bislang gab, sind ja genau das Problem. Es muss der eine große Player kommen und das umsetzen.

Welche Innovationen im mobilen Bezahlwesen beeindrucken Sie heute schon?

Thelen: Mich beeindruckt Apple Pay. Es kommt etwas spät, ist aber sehr sauber umgesetzt. Im System steckt die ganze Erfahrung des Unternehmens: es ist einfach, schön und verständlich. Apple profitiert dabei von der Anzahl der in den USA direkt verfügbaren Partner. Die Frage ist: Kann Apple das auch in Europa und in Deutschland so ausrollen oder stellen sich da unsere Volksbanken und Sparkassen quer? Was ich sehr schade fände.

Warum ist die Etablierung mobiler Bezahlmöglichkeiten so schwer?

Thelen: Es gibt so viele System-Ideen. Wenn es nur ein System gäbe, das von den Konsumenten wie auch von den Akzeptanzstellen akzeptiert würde, wäre es viel leichter. Wir selber haben das mobile Bezahlen erfolgreich in die App mytaxi integriert. Ich steige in mein Taxi, fahre, mache mir keine Gedanken, ob ich jetzt das passende Kleingeld habe. Ich steige wieder aus und der Betrag wird digital abgebucht. Die Quittung geht automatisch an mein Büro. Mobile Payment hat eigentlich nur Vorteile. Es ist sicherer und bequemer. Ich habe sofort einen Überblick über meine getätigten Zahlungen.

Warum machen wir es dann nicht alle?

Thelen: Weil es bislang eben nicht das eine führende System gibt. Das ist der einzige Grund, warum wir es nicht machen. Es ist schwierig und aufwändig, den Konsumenten und die Akzeptanzstellen gleichzeitig hochzuschieben. Es funktioniert in Teilbereichen ja hervorragend. Wie beispielsweise mit mytaxi. Da haben die Taxifahrer und die Konsumenten die App und es läuft reibungslos. Hier garantiert das Mobiltelefon den einfachen und schnellen Bezahlvorgang. Ich persönlich würde es ähnlich gerne auch in Restaurants, Hotels oder Supermärkten handhaben. Wie oft hat man kein Bargeld dabei oder eine Kreditkarte wird nicht akzeptiert?

Und Sie sehen keine Sicherheitsprobleme beim Mobile Payment?

Thelen: Mit der richtigen App wird das Mobiltelefon zur Bank in der Hand. Mobiles Bezahlen ist sicherer als alles, was wir jetzt haben! Ich selbst habe eine Touch ID. Mein Fingerabdruck stellt die Sicherheit her. Ich bekomme beim Bezahlen sofort eine Nachricht auf mein Telefon. Es ist viel transparenter und viel sicherer als die Zahlung mit Kreditkarten. Karten können gestohlen und missbraucht werden. Ich habe bei Kreditkartenzahlung auch keine zweite Kontrolle, merke nicht einmal, dass ein Umsatz getätigt wurde, sondern sehe das erst einen Monat später auf der Kreditkartenabrechnung. Beim Mobile Payment hingegen sehe ich keine Sicherheitsprobleme.

Wie zahlen Sie selbst am liebsten?

Thelen: Ich verwende noch erstaunlich viel Bargeld. Oftmals wird die Kreditkarte nicht akzeptiert. Oder man hat irgendein anderes Problem. Man muss eigentlich immer Bargeld dabei haben. Oder eben die Kreditkarte. Es gibt halt de facto noch kein Mobile Payment in den Bereichen, mit denen ich täglich zu tun habe. Außer dem Taxifahren. Aber für Restaurants, Supermärkte, Hotels und andere Bereiche fehlt es leider noch.

Fakten

Fakten

Dem Mobile Payment gehört die Zukunft. Davon ist nicht nur Startup-Gründer Frank Thelen (40) überzeugt, der mit der App mytaxi das mobile Bezahlen im Taxi-Sektor erfolgreich eingeführt hat. Verbände wie das NFC Forum, die Smart Payment Association (SPA) oder die OSPT Alliance und ihre Mitglieder setzen sich weltweit für sicheres mobiles Bezahlen ein.

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Journalist

Tatjana Pokorny

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