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Prothetik in Bestform bei Heinrich Popow

Ohne Medizintechnologie würde bei Heinrich Popow nichts laufen. Mit dieser Technologie läuft der Profisportler zu Höchstform auf. 

Natürlich ist er traurig darüber, dass er bei „Let‘s Dance“ aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste. Die Prothese an sich war für Heinrich Popow aber kein Hinderungsgrund für die Teilnahme an dieser Tanzshow – eine Premiere in der deutschen Version dieses Formats.

Zu zeigen, dass eine Prothese keine Einschränkung bedeutet, war dann auch das Anliegen des 33-jährigen Profisportlers – und davon hat er ein Millionenpublikum überzeugt, wie schon mit seinen Erfolgen als mehrfacher Paralympics-Sieger, Welt- und Europameister. Weil er so voller Tatendrang war, brachte ihn sein Orthopädietechniker mit 18 Jahren zum Leistungssport. Da hatte er schon seit neun Jahren eine Beinprothese. Knochenkrebs, Amputation des linken Beins bis zum Oberschenkel. Am Schul- und Vereinssport hat ihn das nie gehindert. Im Gegenteil: „Man muss schon regelmäßig Sport treiben, denn nur wenn alle Muskeln gut in Schuss sind, ist man ohne Einschränkung mobil mit Prothese“, erklärt Popow.

„Aus eigenen Zellen gezüchtete Organe könnten in einigen Jahren Standard sein“ – Prof. Dr. Karl Max Einhäupl

Auch Medizintechnologie ist ein wesentlicher Bestandteil im Leben des in Kasachstan geborenen Popow, der zwei Jahre vor der Amputation mit seinen Eltern nach Deutschland kam. Damals, noch im Wachstum, bekam er jedes halbe Jahr eine neue Prothese. Im Sommer gingen sie manchmal noch schneller kaputt. Seither hat sich in der Medizintechnologie viel getan. Die Produktpalette individueller technischer Lösungen ist riesig. Es gibt bionische, von Gedanken gesteuerte Prothesen. Und Fuß- und Kniegelenke, die mittels Mikroprozessoren Treppensteigen zum Kinderspiel machen – so eine trägt auch Popow. Das A und O jeder Prothese ist jedoch die Anbindung an das gesunde Bein: „Die muss perfekt sein, sonst gibt‘s Probleme.“ Hier kommt es auf die Fähigkeiten der Orthopädietechniker an. Eine solche Ausbildung hat der ehemalige IT-Systemadministrator vergangenes Jahr abgeschlossen. Seine Prothesen kann er sich nun selber bauen.

Wie sich sein Umfeld durch die Amputation verändert hat? „Am Anfang haben mir alle alles hintergetragen. Aber sie haben schnell gemerkt, dass ich das nicht brauchte.“ Damit spricht er für viele Amputierte, die ganz normal behandelt werden und ihr Leben im Prinzip so weiterführen möchten wie bisher. Damit das gelingt, rät Popow: „Kopf ausschalten, das Leben wie Kinder angehen und Mobilität neu erlernen.“ Dass er bei seiner Amputation erst neun Jahre alt war, hat ihn diese seelisch gut überstehen lassen. Wichtig für die Psyche ist aber auch, dass die Gesellschaft Menschen mit Behinderungen akzeptiert. Glücklicherweise lassen Popow Anfeindungen in den sozialen Medien kalt.

So kann der umtriebige Mittdreißiger seine ganze Energie auf seine diversen Projekte kanalisieren. Seine Erfolge sind seine Motivation. Und privat wird er auf jeden Fall weitertanzen.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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