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Mirko Schwan und sein Brennstoffzellenheizgerät. Für den privaten Gebrauch werden diese Geräte vom Staat neuerdings stark unterstützt. ENTWICKLUNG

Strom und Heizwärme selbst vor Ort erzeugen

Bundesregierung fördert Brennstoffzellenheizung mit bis zu 9.300 Euro.

Das Funktionsprinzip der neuen Brennstoffzellenheizgeräte, die gerademal so groß wie ein Kühlschrank sind, ist so simpel wie genial: Das Element Wasserstoff besitzt die natürliche Eigenschaft, sich mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft zu gewöhnlichem Wasser verbinden zu wollen. Bei dieser chemischen Reaktion entstehen neben H2O Wärme und Elektrizität. Lässt man also diesen Prozess kontrolliert in einer kompakten Heimanlage ablaufen, kann man damit dezentral ein Einfamilienhaus mit Strom und Heizwärme versorgen. Da diese Energieversorgungsalternative sowohl hocheffizient als auch umweltschonend ist, wird sie neuerdings massiv finanziell gefördert.

Für den Betrieb eines Brennstoffzellenheizgeräts braucht es nur einen Gasanschluss, denn aus Erdgas gewinnt es den Wasserstoff, den es mit Luftsauerstoff in Wasser, Wärme und Strom verwandelt. Gegenüber Elektrizität aus dem Ortsnetz in Kombination mit einer neuen Öl- oder Gasheizung senkt diese neue Versorgungslösung die Energiekosten um bis zu 40 Prozent und die CO2-Emissionen um die Hälfte. Gleichzeitig sind die Geräte durch hohe Rücklauftemperaturen von bis zu 50 Grad nicht nur für den Neubau, sondern auch sanierte Bestandsgebäude geeignet. Mit einem Batteriespeicher lassen sich etwa 80 Prozent des häuslichen Strombedarfs decken, ohne sind es noch gut 50 Prozent.

Die „Umweltschützer“ im Management

„Bei meinem Haus setze ich voll aufs Energiesparen, dazu musste natürlich auch die Heizung passen. Deshalb habe ich mich für ein Brennstoffzellenheizgerät entschieden – und das Beste, auch mein Strombedarf wird dadurch zu einem großen Teil gedeckt“, erläutert Mirko Schwan, dessen Neubau von einem Brennstoffzellenheizgerät mit Nutzwärme und Strom versorgt wird. Dabei erzeugt das Gerät immer nur so viel Wasserstoff, wie gerade benötigt wird, eine Bevorratung wie bei Automobilen ist nicht nötig. Das entstandene Wasser wird auch gleich verarbeitet – zur Abspaltung des Wasserstoffs aus dem Erdgas, zur Gasreinigung und zur Gerätekühlung. Nur ein kleiner Teil wird als Kondensat abgeführt. Mit 750 Watt elektrischer und 1 kW thermischer Leistung können die Anlagen den Grundbedarf eines Einfamilienhauses decken. Sollte an sehr kalten Tagen mehr Wärme benötigt werden, stellt ein integriertes Gas-Brennwertmodul zusätzliche 19 kW bereit.

Brennstoffzellenheizgeräte für den privaten Gebrauch werden vom Staat neuerdings stark unterstützt. Das Förderprogramm „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Brennstoffzelle“ (KfW-Programm 433) soll der hocheffizienten und sauberen Technologie schnell zu großer Verbreitung verhelfen. Die Förderhöhe ist nach elektrischer Leistung gestaffelt, die aktuellen Top-Geräte erhalten 9.300 Euro Zuschuss. Damit rangiert der Anschaffungspreis inklusive Förderung nun auf einem sehr erschwinglichen Niveau und Brennstoffzellen sind zu einer absolut wirtschaftlichen Alternative gegenüber konventionellen Anlagen geworden.

Fördervoraussetzungen: Einbindung der Brennstoffzelle in die Wärme- und Stromversorgung des Gebäudes, hydraulischer Abgleich und ein Vollwartungsvertrag über zehn Jahre. Der Antrag muss vorab direkt bei der KfW gestellt werden. Details zur Förderung gibt es unter www.kfw.de/433. Dort findet sich auch ein Reservierungsformular für den Zuschuss bis Dezember 2016.

Fakten

Fakten

Ein Brennstoffzellenheizgerät erzeugt auf kleinem Raum umweltfreundlich und ressourcenschonend Wärme und Strom für ein Einfamilienhaus. In einem exemplarischen 145 m²-Gebäude mit KfW-Standard 55 lassen sich sogar bis zu 66 Prozent des Energiebedarfs autark decken. Praktisch: Das Gerät lässt sich mit einer App steuern.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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