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Um schwankender Versorgung und steigender Preise zu begegnen, stehen Effizienzinvestitionen und der Aufbau einer eigenen Versorgung häufig ganz oben auf der Agenda von Unternehmen. NACHHALTIGKEIT

Wende für die Umwelt

Deutschland ist auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung: Die ersten Schritte sind getan, doch noch haben alle Akteure einige Aufgaben zu lösen.

Sie wurde nicht erst 2011 mit der Entscheidung, aus der Atomenergie auszusteigen, initiiert, sondern ist bereits seit Jahrzehnten im Gang: die Energiewende, die, verkürzt gesagt, den sukzessiven Ausstieg aus der fossilen und Kernenergie durch den Ausbau einer nachhaltigen Versorgung mit erneuerbaren Energien, durch größere Effizienz im Umgang mit den Ressourcen und durch Einsparungen bedeutet, und das in den drei Bereichen Strom, Wärme und Mobilität. Ein langfristiges Projekt mit klarem Ziel – und einigen Herausforderungen.

Entscheidend ist, dass die Umsetzung der Energiewende breite Unterstützung in der Bevölkerung, bei den Unternehmen und in der Politik findet. Unterschiedlichste Interessen müssen berücksichtigt werden, um dies auf lange Sicht zu gewährleisten. Dass das nicht immer leicht ist, zeigt sich an aktuellen Diskussionen wie jener um Subventionen für Windenergie oder an unterschiedlichen Meinungen zum Ausbau von Trassen oder Erdkabeln, mit denen der Strom vom Erzeugungsort dorthin verbracht wird, wo er benötigt wird.

Auch für Unternehmen, vor allem Industriebetriebe, ist die Energiewende eine Herausforderung: Das Energiewendebarometer 2014 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) offenbarte Skepsis bei vielen Unternehmen angesichts schwankender Versorgung und steigender Preise. Um diesen zu begegnen, stehen Effizienzinvestitionen und der Aufbau einer eigenen Versorgung häufig ganz oben auf der Agenda. Zugleich zeigte die Untersuchung auch, dass bereits jedes fünfte Unternehmen vollständig oder teilweise grünen Strom bezieht und dass das Dienstleistungsgewerbe und vor allem der Bau die Energiewende positiver bewerten. Die Baubranche kann von der Errichtung von Erzeugungsanlagen und von energetischen Maßnahmen profitieren. Auch privaten Verbrauchern stehen inzwischen von der eigenen Solaranlage bis zum Speichersystem zahlreiche Optionen für eine dezentrale Energieversorgung zur Verfügung.

Um Lösungen für die drängendsten Fragen zu finden und die Kooperation von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern, initiierte das Bundesministerium für Bildung und Forschung unlängst das Forschungsprojekt „Kopernikus“. Akteure aller Bereiche sind aufgerufen, gemeinsam an Umsetzungskonzepten zu arbeiten. Die vier großen Felder, in denen das Ministerium Schwerpunkte setzt, sind „die Speicherung überschüssiger erneuerbarer Energie durch Umwandlung in andere Energieträger, die Entwicklung von Stromnetzen, die an einen hohen Anteil erneuerbarer Energien angepasst sind, die Neuausrichtung von Industrieprozessen auf eine fluktuierende Energieversorgung und das Zusammenspiel von erneuerbarer und konventioneller Energie, um die lückenlose Versorgung mit Energie sicherzustellen“.

Positive Perspektiven zeichnet ein aktueller Greenpeace-Report. Das Gelingen der Wende im gesetzten Zeitrahmen bis 2050 sei machbar – die saubere Stromerzeugung könne zudem Arbeitsplätze und finanzielle Anreize schaffen. Hohe Kosten in verschiedenen Bereichen würden durch massive Einsparungen in anderen aufgefangen. Die Hindernisse technischer oder wirtschaftlicher Natur schätzt der Bericht gering ein – entscheidend sei in erster Linie der politische Wille.

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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