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Wundheilung – lernen vom Axolotl?

Immer öfter machen die Forscher erstaunliche Entdeckungen. So untersuchte die Medizinische Hochschule in Hannover den kleinen Lurch namens Axolotl und stieß auf ein neues Enzym.

Unsere Haut ist das größte und zugleich vielfältigste Organ des Menschen. Die Hautfläche beträgt bei einem normalen Erwachsenen ca. 1.7 m² und wiegt zwischen 10 und 14 Kg.

Die Haut schützt vor Wärmeverlust, äußeren Einflüssen, Strahlung und Krankheitserregern. Deswegen sollten wir unsere Haut so gut es geht schützen. Kleine Verletzungen kann die Haut in einem vielschichtigen Prozess sehr schnell selbst regulieren. Die Wunde reinigen, desinfizieren und verschließen – schon kann die Haut mit dem Regenerationsprozess beginnen.  Die Art der Wundheilung nennt man Primäre Wundheilung. 

Probleme bereitet dagegen oft die Sekundäre Wundheilung. Hier geht es um große Gewebedefekte, nekrotische Wundränder und Wundinfektionen. Normalerweise ist die Sekundäre Wundheilung auch kein Problem. Außer bei Diabetikern, Patienten mit Durchblutungsstörungen und wenn die Wunde mit multiresistenten Keimen infiziert sein sollte. Ist eine Wunde nach sechs Wochen nicht verheilt, sprechen die Ärzte von einer chronischen Wunde. Die häufigsten Fälle von chronischen Wunden sind Dekubitus (Druckgeschwüre bei bettlägerigen Patienten) und Ulcus cruris venosum („Offenes Bein“ bei Venenleiden).

Chronische Wunden sind für die Betroffenen oft sehr belastend. Das Immunsystem im Körper ist ständig gefordert, Schmerzen schränken die Bewegung ein. Bakterien können in die Wunde eindringen. Wird das nicht behandelt droht eine Sepsis und im ungünstigsten Fall eine Amputation. Der größte Teil der fast 45.000 jährlichen Amputationen von Gliedmaßen in Deutschland sind die Folge von chronischen Wunden.

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Vielleicht kann ja ein kleiner Lurch aus Mexico die Forschung in der Wundheilung revolutionieren. Der Axolotl ist der Liebling aller Stammzellenforscher. Der Axolotl kann nach einem Verlust von Extremitäten diese wieder selbst erneuern. Verliert der Schwanzlurch ein Bein, wandern die sogenannten Epithelzellen sehr schnell über die Wunde. Darunter verändern sich jetzt die Zellen, bilden neue Formen. Mediziner sprechen hier von einem Blastem. Durch eine weitere Teilung der Zellen entwickeln sich neue Nervenbahnen, Knochen und Blutgefäße. Ohne eine Narbe wächst dem Axolotl innerhalb von wenigen Wochen das Bein wieder nach.

Forscher aus Hannover konnten beim Ambystoma mexicanum (lat. Axolotl) ein Enzym in der Wunde entdecken. Dieses Enzym (AmbLOXe) sorgt dann für eine komplette Regeneration der verlorenen Gliedmaße. Noch ist das Enzym nicht für eine menschliche Behandlung zugelassen, aber erste Versuche stimmen zuversichtlich. Bei einer Maus war die Geschwindigkeit, mit der die Wunde heilte, der üblichen Standardwundversorgung weit überlegen. Im Augenblick wird die Lipoxygenase zum Patent angemeldet. Bis der Axolotl der Medizin helfen kann, wird es aber noch einige Zeit brauchen.

Vielleicht bringt ja dann der Schwanzlurch aus Mexico den Durchbruch in der Wundheilung. Wenn das Enzym nur halb so gut beim Menschen hilft, wären vermutlich eine große Zahl von Amputationen nicht mehr nötig.

Fakten

Nach Zahlen der AOK werden jedes Jahr bei 29.000 Diabetikern, Zehen, Füße oder Unterschenkel amputiert. Grund dafür sind chronische Wunden unter denen die Patienten oft jahrelang leiden. Deswegen suchen Forscher aus aller Welt nach neuen Wegen in der Wundheilung.

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Journalist

Jörg Wernien

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